The Wrestler
Randy "The Ram" Robinson ist Wrestler. Über nichts anderes werden sich sowohl die Filmcharaktere als auch der Zuschauer in dem 2008 erschienenen Werk von Darron Arronofksy klar. Doch was bedeutet es, Wrestler zu sein? Für Randy bedeutet es, ein Vorbild sein zu können. Zum einen natürlich im Ring, wenn er gegen fiese Wrestler-Schurken antritt und wie als Symbol der obsiegenden Gerechtigkeit auf dem Eckpfosten seine Muskeln präsentiert. Außerdem für die Kinder aus der Wohnwagensiedlungs-Nachbarschaft, mit denen er sich kämpelt, und die ihn dafür lieben, dass er mit ihnen zusammen alte Nintendo Spiele spielt, in denen er selbst als pixliger 2D-Kumpane spielbar ist. Und nicht zuletzt natürlich für seine Tochter, mit der er seid Ewigkeiten nicht mehr geredet hat, und die vorgibt, ihn nur noch hassen zu können.
Doch das fällt halt alles nicht mehr so leicht. Schließlich ist "The Ram" inzwischen über fünfzig Jahre alt und spielt nicht mehr in der Oberliga. Er beschäftigt seine noch verliebenen Fans mit Amatuerkämpfen, bzw. Atogrammstunden alter Wrestler-Ikonen, von denen selbst er der einzige zu sein scheint, der noch aufrecht stehen kann. Doch dann bietet sich ihm eine Chance: In einem Rematch soll er gegen den "Necro Butcher" antreten, der vor Allem wegen seiner fiesen Methoden im Ring, große öffentliche Aufmerksamkeit genießt. Das Comeback wäre perfekt, Randy "The Ram" steigt nach Jahren wieder in den Ring, um die fiesen Machenschaften des wiederlichen "Necro Butcher" zu zerschlagen. Ein Schaukampf, natürlich, aber ein überaus wirkungsvoller. Also schnappt er sich sein altes Trikot, zieht sich die an Timberland Boots errinnernden Stiefel an, und begeht darauf hin einen großen Fehler. Da er nicht mehr in Höchstform ist, und der Kampf bald ansteht, bittet er einen jüngeren Kollegen, ihm Steroide zu beschaffen.
Der Kampf beginnt, und Randy "The Ram" Robinson blüht wieder zu alter Höchstform auf. Da er in dem äußerst blutigen Kampf einige Schnittwunden davonträgt (unter anderem in seinen Rücken eingetackerte Klammern) wird er nachher ärtzlich versorgt. Die Ärzte gehen wieder und Randy macht sich auf die Duschkabine, wo er sich übergibt und kurz darauf in seinem eigenen Erbrochenen zu Boden fällt. Erst im Krankenhaus wacht er wieder auf, wo ihm, nach einer kurzen Rehabilitierungsphase die Hiobsbotschaft überreicht wird: Durch die Steroide wurde sein Herz so sehr geschwächt, dass ein weiterer Schaukampf tödlich für ihn enden könnte. Durch die existenzielle Bedrohung beginnt Randy über sein Leben zu reflektieren und verliebt sich in die Stripperin Cassidy. Sie, ebenfalls eine Schowfigur rät ihm, seine Tochter zu besuchen, und ihr ein Geschenk mitzubringen. In einem Second-Hand-Laden kauft er Sneaker und ein hübsches Kleid für sie, in der Hoffnung die Wogen zwischen sich und seiner Tochter damit glätten zu können.
Der Film besticht nicht nur mit einem grandiosen Drehbuch, einer spontan wirkenden, aber die richtigen Akzente setzenden Kamera, sondern vor Allem durch die grandiose schauspielerische Leistung seiner Hauptdarsteller. Für die Rolle von Randy wurde Mickey Rourke 2008 mit einer Oscarnominierung geehrt, genauso wie Marisa Tomey für ihre Cassidy. Rourke, der sonst für extrawagante Kleidung mit weißem Jackett, edle Herrenschuhe, und durchgestylter Rockerfrisur bekannt ist, spielt in diesem Film die andere Seite des Schowbis. Den abgehalfterten Randgruppen Star, der nicht mehr will, als noch einmal zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Ein klassisches Wrestler-Profil, jedoch auch sinnbildlich für Rourkes eigene Karriere, die durch Aufs und Abs in den frühen Jahren unseres Jahrtausends, und durch ein schlussendliches Comeback in der Filmbranche gezeichnet war. Vielleicht war auch deswegen "The Wrestler" so berührend. Wir sahen nämlich nicht nur einen Schaukämpfer, der mit sich selbst und seinen Fahigkeiten ringt, sondern auch einen Schauspieler, der nocheinmal allen beweisen wollte, dass er nicht nur Gangster und Actionkracher miemen kann. Und das hat er mit dieser Darbietung fulminant erreicht.